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Zampelbüdel, ein 6" f/5.6 Newton Reflektor

 

 

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Sonntag 3.11.2002: Heute habe ich für 28.57 € bei ebay einen Spiegelrohling erstanden. Hier der Angebotstext:

 


Newtonspiegel 153 Ø mm R = ca. 1500 mm

Wer bietet auf einen Spiegelrohling 153 Ø mm aus Duran 50???

Der Feinschliff ist schon beendet, und man kann mit dem Polieren anfangen.

Daraus läßt sich ein z.B. ein Newtonspiegel herstellen.

Käufer zahlt Versand und Verpackung 7,00 EURO


Sonntag 10.11.2002: In der Woche ist der Spiegel gekommen. Er hat von der Seite einen deftigen Chip von der Größe eines Pfennigs, ansonsten sieht er gut aus. Er ist schon sehr glatt, vermutlich wurde er zuletzt mit einem sehr feinen Schleifmittel behandelt, oder sogar schon anpoliert.  Die Brennweite ist länger als angegeben - ca. 1700 mm. Schade, eigentlich sollte das ein Rich-Field-Sucher für ein noch zu bauendes größeres Teleskop werden. Na ja, es wird sich schon etwas sinnvolles damit machen lassen.

Sonnabend 19.7.2003: Ein sehr heißer Tag. Eigentlich ist es zu warm zum Polieren. Leider hat mich das aber Polierfieber voll gepackt. Ich möchte nicht die Kante des 10zöllers ruinieren, daher werde ich heute den 6zöller vorsichtig soweit anpolieren, dass ich einen ersten Foucault-Test machen kann. Dazu habe ich zunächst eine Pechhaut auf das vorbereitete Tool gegossen und mit dem Lötkolben Kanäle und eine Fase hineingeschnitten. Um den großen Drehteller nicht verändern zu müssen baute ich einen kleineren Drehteller für diesen Spiegel. Anschließend wurde die Pechhaut ausgiebig warm- und kaltgepresst.

Um zu sehen, ob der Spiegel einigermaßen sphärisch ist erfolgte der erste Foucault-Test schon nach 10 Minuten Polieren. Der Spiegel wich tatsächlich nicht sehr weit von der Sphäre ab, er hatte aber eine merkwürdige nur wenige Millimeter breite ringförmige Vertiefung etwa 15 mm vom Rand. Eine weitere Messung nach ca. einer Stunde Polieren ergab wieder diese Vertiefung, einen schmalen abgesunkenen Randbereich und eine leichte ringförmige Erhebung gleich innerhalb der ringförmigen Vertiefung ca. 20 mm vom Rand. Möglicherweise wurde der Rohling irgendwie maschinell geschliffen und ist dabei etwas verhunzt worden. Da all diese Erscheinungen aber nur eine Schnittweitendifferenz von wenigen mm aufweisen, werde ich zunächst in Ruhe weiter Polieren und sehen, wie sich das entwickelt.

Der Kugelradius beträgt 1720mm, die Brennweite ist also 860 mm und das Öffnungsverhältnis somit f/5.65. Schade, das ist wesentlich weiter als ich angenommen hatte, aber er ist wohl trotzdem noch ganz gut als Rich-Field-Sucher zu gebrauchen.

Donnerstag 24.7.2003: Weil es mir für den 10zöller zu dunkel wurde habe ich heute noch einmal eine halbe Stunde poliert.

Sonnabend 6.9.2003: Der Spiegel des 10zöllers (Fleutjepiepen) ist fertig. Mal sehen, wenn ich diesen Spiegel relativ schnell fertig bekomme, kann ich die beiden Spiegel evtl. gemeinsam zum Verspiegeln geben.

Während der letzen Zeit hatte ich die Pechhaut mit dem Spiegel "on top" in Wasser gelagert, dazwischen lag ein Stück Moskitonetz. Leider war es im August einfach zu warm, sodass die Kanäle vollkommen zugelaufen sind. Später muss ich eine radikale Pechhautpflege einschieben.

20 Minuten MOT und TOT poliert . In der Mitte ist der Spiegel schon fast auspoliert (Kafalis-Stufe 9) am Rand erst Stufe 6. Die erste Zonenmessung ergibt eine leichte Hyperbel.

Ziel: Annäherung an die Sphäre, der Rand soll ordentlich angegriffen werden (ca. 2.5 mm Schnittweite können weg)
Vorgehensweise: 25 Minuten TOT W-Striche mit wechselndem Überhang. Um den Rand zu schonen auch ein paar Runden Hunter-Striche. Zum Schluss noch etwas Chaos

Der Augenschein mit einem umgedrehten Okular und auch der Laserpointertest zeigen in einem Bereich von ca. 10mm vom Rand deutliche Pits - ich würde sagen Stufe 6-7. Innen ist der Spiegel auspoliert. 

Die Schnittweiten haben sich stark angeglichen, lediglich die Brennweite der äußere Zone ist 0.5 mm länger als die anderen.

Ziel: Rand behandeln
Vorgehensweise: 10 Minuten  wie eben, aber keine Hunter-Striche mehr. Anschließend je 10 Minuten 1/3 COC sowohl TOT als auch MOT, dann kurz Chaos.

Der Rand poliert nur sehr langsam aus. Ca.6mm des Randes sind jetzt auf Stufe 7, der Rest ist auspoliert. Die Strichführung war richtig, der Spiegel ist bis auf 0.1 mm Schnittweite sphärisch. 

Ziel: gleichmäßig alle Zonen polieren
Vorgehensweise:
Je 15 Minuten 1/3 COC sowohl TOT als auch MOT, dann kurz Chaos.

Konnte es mal wieder nicht lassen! Bei MOT habe ich bewusst schon etwas die Mitte ausgehöhlt. Das Ergebnis ist eine etwas unterkorrigierte aber dennoch gerade so eben beugungsbegrenzte Parabel :-)

Natürlich ist der Rand immer noch nicht ganz auspoliert. (Ich schätze immer noch Stufe 7) Ich muss also morgen noch weitermachen.

Ziel: gleichmäßig polieren
Vorgehensweise:
Damit der Rand endlich mal auspoliert 60 Minuten abwechselnd TOT und MOT, dann kurz Chaos.

Sonntag 7.9.2003: Der Rand ist sehr sehr viel besser geworden. 2mm an Rand noch Stufe 7-8, dann 2 mm Stufe 9, der Rest ist fertig. Habe jetzt keine Zonenmessung gemacht, aber das Foucaultbild sieht sieht schön sphärisch aus.

Vorgehensweise: Werde noch einmal eine halbe Stunde weitermachen wie eben.

Habe ganz vergessen zu Schreiben, dass ich natürlich vor jedem Polieren kurz (5-10 Minuten) kalt presse. Da die Form der Pechhaut offenbar sehr gut passt habe ich immer noch keine neuen Kanäle geschnitten.

Die letzte halbe Stunde ist der Rand wieder viel besser geworden: im äußersten Bereich ca. 2mm Stufe 8, dann ein paar mm Stufe 9. Die Form ist weiter nahe der Sphäre.

Vorgehensweise: Werde jetzt noch einmal eine halbe Stunde weitermachen wie eben, jedoch am Ende 10 Minuten MOT zum leichten Aushöhlen der Mitte.

Rand ist jetzt überall mindestens Stufe 9, teils sind keine Pits mehr zu finden. Schnittweitenmessung ergibt eine leicht Parabel mit einem leicht hochgezogenem Rand. Da ich gerne heute noch fertig werden möchte beginne ich mit dem Parabolisieren. Dafür werde ich mir während des Trockenen des Spiegels eine genauere Couder-Maske machen.

Ziel: Sehr vorsichtig die Mitte vertiefen, am Ende viel Chaos, um die Vertiefung bis zum Rand zu verteilen.
Vorgehensweise: 10 Minuten Lange W-Striche mit viel Überhang MOT, dann noch viel Chaos.

Neue Maske mit folgenden Zonenzentren hergestellt (in Klammern, die gewünschte Schnittweitendifferenz für die Zone):

16.5 (0)
46.2 (0.541)
59.9 (0.964)
71.0 (1.386)

Die Form nähert sich schon wieder der Sphäre, noch ca. 30-40 Pits im Bereich der äußeren 10mm sichtbar. Messwerte, im Klammern die Abweichung vom Ziel:

0.0
0.1 (-0.441)
0.9 (-0.064)
1.6 (+0.214)

P-V Wavefront Fehler 1/2.8 - ich komme der Sache bei diesem Spiegel sehr schnell näher.

Ziel: Vorsichtig die Zone 2 angreifen, dabei den Rand schonen.
Vorgehensweise: 3 Minuten meine speziellen Hunter-Striche mit besonderem Druck auf die Zone 2 und viel Rotation, anschließend 2 Minuten mit chaotischen Strichen alles wieder etwas glätten.

Diese Strichführung funktioniert einfach super, jetzt ist aber natürlich die Kante etwas zu hoch!

0.0
0.5 (-0.041)
1.0 (-0.064)
1.9 (+0.264)

Ziel: Extrem vorsichtig die Zone 4 angreifen, dabei trotzdem den Rand schonen.
Vorgehensweise: 2 Minuten meine speziellen Hunter-Striche mit besonderem Druck auf die Zonen 3+4, viel Rotation, kaum Druck, anschließend kurz Kringel um das ganze gleichmäßig zu verteilen.

Sehr schöne Messung! Lambda 1/12.5, Strehl Ratio 0.987:

0.0
0.35
0.75
1.3

Checkliste:

  • Foucault ohne Maske: Keine Besonderheiten sichtbar
  • Ronchi-Test: Leider ist eine abgesunkene Kante von < 1mm zu sehen.
    Die Bilder sehen so aus wie diejenigen, die MyNewton für den Matching Ronchi Test auswirft.
  • Brennweite erneut messen: 1715mm auf der optischen Achse (5mm weniger als gestern) dadurch verschlechtert sich der Fehler auf Lambda1/12
  • Zonen auf der Coudermaske vermessen: ok
  • Zonenzentren nachgerechnet: ok
  • Vorschub des Foucault-Testers mit der Messuhr nachgemessen: ok
  • FigureXP auf Einstellung "mm",  "moving source" usw. überprüft: ok
  • Testergebnisse in Foucault-Test-Analysis eingegeben: P-V Wavefront Fehler 8.64 Lambda, RMS 1/41 Lambda, Strehl Ratio 0.977
  • Test auf Astigmatismus mit einer Lochblende über der Diode: kein Fehler feststellbar

Fertig!

 

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