Hein Guck-In-Die-Luft

Vigelinsch - der 4" f/6.5 Refraktor

 

Schon seit längerer Zeit hege ich den heimlichen Wunsch mir ein qualitativ hochwertiges Fraunhofer-Objektiv mit langer Brennweite und möglichst großer Öffnung für die Planetenbeobachtung selbst zu schleifen. Bisher hielt mich insbesondere meine mangelnde Erfahrung beim Schleifen und Testen einer solchen Optik davon ab diesen Wunsch in die Tat umzusetzen. Ok, die einzige Möglichkeit diese Erfahrung zu erlangen besteht nun darin sich ein paar Glasscherben zu herzunehmen und einfach anzufangen.

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Ende September 2002 bekam ich dann zufällig die nötigen "Glasscherben" durch eine ebay-Auktion sehr günstig für €15,26 in die Hände. Der Angebotstext lautete:

Wer bietet auf ein Linsenobjektiv 108 mm Ø f ~ 600mm, mit Alu – Fassung für Rohr Ø 115 mm innen???

Bestens geeignet für Erdbeobachtungen wegen Restspährenfehler.

Einige Kratzer sind auch im Preis enthalten.

Die Optik habe ich selbst hergestellt, wer wagt es??

Es handelt sich hier um einen 2 Linser nach Fraunhofer Käufer zahlt Porto + Verpackung 7,00 Euro

Leider war der Anbieter nicht in der Lage (oder bereit) mir nähere Informationen zu diesem Objektiv zukommen zu lassen. So weiß ich bis heute nichts über die verwendeten Glassorten oder den vorgesehenen Abstand der Lisen - also beste Voraussetzungen für jemanden wie mich, der lernen will, wie man eine Optik testet und evtl. auch noch neu poliert :-)

Erste Tests ergaben, dass die Brennweite etwa 680 mm betragen muss. Die Bildqualität mit einem 20er Okular war in diesem Test (ohne Tubus, ohne Blenden usw.) auf den ersten Blick unerwartet gut. Kratzer waren zumindest mit dem bloßen Auge nicht feststellbar. 

 

Was ist da eigentlich drin?

Im nächsten Schritt wollte ich mir das Innenleben des Objektivs mal genauer ansehen. Also den Tesastreifen entfernt, der die beiden Teile der sehr schön gearbeiteten Alu-Objektivfassung zusammenhielt und vooooorsichtig die Linsen herausgeschüttelt. Wie erwartet kamen zwei unvergütete Linsen zum Vorschein, aber leider keine Abstandsplättchen. Gut, die würde ich hinzufügen, aber es kam sofort ein leiser Zweifel auf, ob es sich wirklich um einen Luftspalt - Achromaten nach Fraunhofer handelt oder ob für dieses Objektiv einmal eine Öl-Fügung vorgesehen war. Natürlich war beim "Herausschütteln" und anschließenden Untersuchen der Linsen der eine oder andere Fingerabdruck auf die Linsen geraten. Also erst mal waschen! Informationen aus dem Internet besagten, dass eine gängige Methode zum Reinigen von unvergüteten Linsen darin besteht, sie vorsichtig mit Spülmittel zu waschen und anschließend mit destilliertem Wasser abzuspülen. Gesagt - getan:

Im ersten Schritt ließ ich die Linsen einfach eine Stunde in dem lauwarmen Seifenwasser einweichen. Anschließend rieb ich evtl. verbliebene Verschmutzung sanft mit sauber gewaschenen Fingern ab und spülte die Linsen dann mit destilliertem Wasser.
Zum Trocken stellte ich die Linsen einfach aufrecht auf das Küchenbuffet , jedoch nicht ohne die gesamte Küche vorher zur verbotenen Zone zu erklären! Bei mehreren Versuchen stellte sich heraus, dass meine erste Überlegung  warmes Wasser zu verwenden um die Abtrocknung zu beschleunigen ein Schuss in den Ofen war - das Wasser trocknet sehr schnell ab, es bleiben jedoch einzelne Tropfen auf dem Glas zurück, die dann nach dem endgültigen Abtrocknen kleine Flecken hinterlassen. Bei Verwendung von kaltem Wasser bleibt genug Zeit, damit ein Grossteil des Wassers nach unten ablaufen kann. Die Fläche trocknet gleichmäßig ab. Leider hatte ich kein mehrfach destilliertes Wasser zur Verfügung. Vermutlich ist damit eine noch bessere Wirkung erzielbar.
Der Zusammenbau gestaltete sich recht einfach. für die ersten Tests verwendete ich einfaches Isolierband als Abstandsplättchen. Es ging in dieser Phase ja nur darum grundsätzlich einen brauchbaren Abstand für die Linsen herauszufinden.
Im weiteren Verlauf der Tests versucht ich auch einmal eine Fügung mit Öl.

 

Der Testaufbau

Natürlich war es nötig zum Testen des Objektivs ein provisorisches Teleskop zu bauen.

Hier das zusammengebaute Test-Teleskop mit eingestecktem Selbstbau-Laser-Colli auf einer EQ2. Bei dem Okularauszug handelt es sich um ein altes Exemplar von Wachter, das leider nur einen Durchmesser von 40mm hat und somit unweigerlich zur Abschattung des Randes der Feldblende führt. Da ich in nächster Zeit einen 2" oder 3" Crayford OAZ bauen möchte muss dieser Aufbau für die ersten Startests ausreichen.
Hier die Einzelteile des Teleskops. Der Tubus - ein 110mm PE-Abwasserrohr - wurde mit Velours ausgekleidet und erhielt drei Blenden um bei den Tests Streulicht so weit wie möglich ausschließen zu können. Natürlich ist der Tubus aus Erwägungen der Streulichtunterdrückung eigentlich viel zu eng. Da ich aber vorhabe dieses Teleskop als Reiseteleskop und ansonsten als großen Sucher einzusetzen, möchte ich es bei diesem Durchmesser belassen.

Die Tests

Die gängigen Tests für ein Refraktor-Objektiv sehen vor, dass sie in doppelter Genauigkeit gegen einen Planspiegel vorgenommen werden. Dabei soll die Qualität des Planspiegels die Qualität der zu testenden Optik bei weitem übersteigen. Zu allem Überfluss muss der Planspiegel natürlich auch noch etwas größer sein als die zu testende Optik, sodass ein guter Fangspiegel eines mittelgroßen Newton für den Test meines Objektivs nicht ausreicht. Wenn ich also eines Tages einen großen, qualitativ hochwertigen und auch noch billigen Planspiegel angeboten bekomme, dann werde ich wohl zuschlagen. Bis dahin muss ich mich aber wohl oder übel mit einfacher Genauigkeit am (künstlichen) Stern begnügen.

Einmal abgesehen davon, dass die Testergebnisse besser waren als erwartet, fand ich natürlich den in der ebay - Anzeige schon erwähnten "Restspährenfehler". Gemeint ist sphärische Aberration - ein Abbildungsfehler, der dazu führt, dass die Rand- und Mittelzonen des Objektivs die Lichtstrahlen nicht im Brennpunkt des Objektivs bündeln, sondern etwas davor oder dahinter. Mit einer aufgesetzten 65mm Blende ist die Abbildung sehr scharf. Trotzdem möchte ich noch etwas weitertesten, bevor ich jetzt gleich das Schmirgelpapier auspacke :-)

Auch der Farbfehler war - wenn auch deutlich vorhanden - geringer, als ich es bei dem Öffnungsverhältnis von f/6,5 erwartet hatte. Offenbar hatte ich mir bei all den Farbfehler-Diskussionen im Forum auf www.astronomie.de ein völlig falsches Bild von den Ausmaßen dieses Fehlers gemacht. Leider war es mir bisher noch nicht möglich endgültig zu klären, bei welchen Linsenabstand der Farbfehler am geringsten ist. Vermutlich werde ich demnächst einmal eine Webcam einsetzen, um die Testergebnisse bei verschiedenen Abständen besser vergleichen zu können.

to be continued...

 

 


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