Auswahl der richtigen Größe eines Selbstbaus

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40" und 30" Dobson auf dem ITV 2003
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40" und 30" Dobson auf dem ITV 2003
Die baulichen Dimensionen des Newton Reflektors, aber auch seine Leistungsfähigkeit und die Ansprüche an die Fähigkeiten des Erbauers und nicht zuletzt auch die Kosten hängen im Wesentlichen von der Öffnung und der Brennweite des Teleskops ab. Da sich die Ansichten des Beobachters über die richtige Größe eines Teleskops hier durchaus sehr von den Ansichten des Herstellers oder des Finanziers unterscheiden können, sollen deren Anforderungen zunächst isoliert betrachtet werden.


Inhaltsverzeichnis

Der Beobachter

Die meisten Amateurastronomen wünschen sich ein Teleskop mit möglichst großer Öffnung. Es gibt aus der reinen Beobachtersicht nur wenig, dass dagegen spricht, bei der Auswahl der Teleskopöffnung dem VLT Konkurrenz zu machen. ;-) Mit der Teleskopöffnung werden wichtige Eigenschaften des Teleskops wie z.B. das Auflösungsvermögen, den sinnvoll nutzbaren Vergrößerungsbereich und die visuelle Grenzgröße festgelegt.

Um einen Eindruck von der Leistungsfähigkeit eines Teleskops mit bestimmter Öffnung zu bekommen, hier eine kleine Tabelle mit den zu erwartenden Leistungsmerkmalen von Teleskopen mit verschiedener Öffnung:

Öffnung Visuelle Grenzgröße Auflösungsvermögen Maximalvergrößerung
70mm 11,73mag 1,66" 105x
114mm 12,78mag 1,02" 171x
150mm 13,38mag 0,77" 225x
200mm 14,01mag 0,58" 300x
250mm 14,49mag 0,46" 375x
300mm 14,89mag 0,39" 450x
400mm 15,51mag 0,29" 600x
500mm 15,99mag 0,23" 750x
600mm 16,39mag 0,19" 900x

Diese Zahlen sollen natürlich nur einen Anhaltspunkt geben. Zur Berechnung der visuellen Grenzgröße wurde die etwas konservativere Formel 2 für den FVS aus der Formelsammlung verwendet, als Auflösungsvermögen wurde das Dawes Limit angegeben und die Maximalvergrößerung wurde nach der konservativen Faustformel Teleskopöffnung in Millimeter mal 1,5 vorgegangen.

Gegen eine zu große Öffnung spricht aus Sicht des Beobachters die zunehmende Anfälligkeit großer Teleskope auf Einflüsse des Seeings. Unter durchschnittlichen mitteleuropäischen Bedingungen ist die Größe der Sternabbildung und damit das Auflösungsvermögen ab einer Öffnung von etwa 200 bis 250mm nicht mehr in erster Linie von der Beugung, sondern zunehmend vom Seeing abhängig. Teleskope dieser Größe sind deshalb meist nicht mehr beugungsbegrenzt, sondern seeingbegrenzt.

Wie schon im Artikel Kennzahlen beschrieben wurde, ist die Brennweite eines Teleskops für den Beobachter von nicht ganz so entscheidender Bedeutung. Hier ein paar Entscheidungskriterien:

  • bei gegebener Okularbrennweite steigt das wahre Gesichtsfeld mit sinkender Brennweite
  • bei gegebener Okularbrennweite steigt die Vergrößerung mit steigender Brennweite
  • Teleskope mit kleinerer Brennweite gelten als "lichtstärker". Das bedeutet nicht, dass sie mehr Licht sammeln, sondern es bedeutet, dass sie das gesammelte Licht bei gleicher Vergrößerung auf eine kleinere Brennebene fokussieren was die Belichtungszeiten für Fotografen verkürzt.
  • Je größer die Brennweite eines Teleskops ist, desto kleiner kann gewöhnlich sein Fangspiegel und damit die Obstruktion ausfallen, was wiederum die Kontrastübertragung verbessert.
  • Je größer die Brennweite desto höher ist beim Newton Reflektor die Einblickposition. Zu hohe, aber auch zu niedrige Einblickpositionen können das Sehvergnügen schmälern.

Einige dieser Argumente legen nahe, dass sind längere Brennweiten eher für Planetenbeobachter eignen (hohe Vergrößerungen, kontrastreiches Bild), während kürzere Brennweiten eher für Deep Sky Beobachter und Fotografen interessant sind (größeres Feld, lichtstärker).

Der Transporteur

Die meisten Hobby-Astronomen leben in bewohnten Gebieten. Dieses hat fast zwangsläufig zur Folge, dass sie mit Lichtverschmutzung des Himmels zu kämpfen haben. Ein Ausweg ist es sich einen dunklen Beobachtungsplatz ausserhalb der Ortschaften zu suchen. Dafür ist es aber meist notwendig das Teleskop zu transportieren. Bei der Konzeption des eigenen Teleskop muss dieser Umstand deshalb unbedingt bedacht werden.

Stichworte:

  • Sternwarte: kein Transport nötig
  • Balkon: kurze Transportwege, Länge des Gerätes kann wichtig sein
  • Beobachtungsplätze in der Umgebung: Transport mit Bus/Bahn, Auto, Motorrad, Rucksack
  • Fernreisen: Transport mit Flugzeug, Bus/Bahn, Auto

Teleskopbauer

Aus Sicht des Spiegelschleifers und Teleskopbauers stehen dem Wunsch nach einer möglichst großen Öffnung einige praktische Gründe entgegen, die sich alle auf das Stichwort "Machbarkeit" zurückführen lassen. Früher galt der Grundsatz, dass der erste Teleskopspiegel nicht größer sein sollte als 150mm. Inzwischen haben sich durch die Einführung des Internet die allgemeinen Informationsmöglichkeiten und besonders die Möglichkeiten bei Problemen den Rat von Experten einzuholen so drastisch verbessert, dass viele Einsteiger mit einem Spiegel von 250mm oder sogar mehr beginnen. Der angehende Spiegelschleifer sollte sich aber darauf einstellen, dass die Ansprüche an die Qualität der Arbeit mit steigender Öffnung und größer werdendem Öffnungsverhältnis exorbitant stark ansteigen.

Der Finanzier

Die Kosten, die ein Selbstbau verursachen kann sollten nicht unterschätzt werden. Anhand des Beispiels eines (auch von Anfängern durchaus realisierbaren) 250mm Dobson Teleskops sollen hier einmal grob die zu erwartenden Kosten aufgeführt werden (Stand Dezember 2005):

Kosten der Herstellung bzw. Beschaffung der optischen Komponenten

Bezeichnung Kosten Bemerkungen
Spiegelrohling 90,- € Borosilikatrohling
Schleifmittel, Poliermittel, Pech 40,- €
Schleifwerkzeug 10,- € hängt stark vom verwendeten Material ab
Fangspiegel 75,- € Die Streubreite reicht hier je nach Größe und Qualität von ca. 50,- € bis zu mehreren hundert Euro.
Kleinmaterial 10,- € Behälter, Pinsel, Sprühflasche usw. usw.
Beschichten des Hauptspiegels 100,- €

Bisher sind hier nur die Kosten für die Herstellung der Optik berücksichtigt! Es sei noch angemerkt, dass viele kleinere Positionen wie beispielsweise der Versand der Materialien noch gar nicht berücksichtigt wurden.

Kosten der Herstellung bzw. Beschaffung aller weiteren Komponenten

hier gibt es bisher nur ein paar Stichworte:

Kosten der Herstellung bzw. Beschaffung von Werkzeugen

hier gibt es bisher nur ein paar Stichworte:

Schlussfolgerungen - das Wikiscope

Auch wenn man aus Beobachtersicht am liebsten mit einem Halbmeterspiegel beginnen möchte sollte man versuchen die eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen. Natürlich ist es am sinnvollsten, das Teleskop zu bauen, dass man auch wirklich besitzen möchte. Besitzt man schon ein 300mm Teleskop, so ist die Motivation einen Spiegel mit 250mm zu schleifen meist eher gering. In einem solchen Fall besteht aber immer die Möglichkeit zunächst mit einem Spezialteleskop zu beginnen. Das könnte z.B. ein 100mm Sucher mit sehr großem Gesichtsfeld oder ein 200mm Planetenteleskop mit sehr großer Brennweite sein.

Eine realistische Größe für ein Teleskop, dass auch von engagierten Einsteigern erfolgreich gebaut werden kann, dürfte ein 250mm Teleskop mit einer Brennweite von ca. 1500mm sein. Das Öffnungsverhältnis von f/6 ist messtechnisch noch gut zu bewältigen.

Siehe auch

Weblinks

Persönliche Werkzeuge

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