Die Geschichte des Fernrohr Selbstbaus

aus AtmWiki, dem Teleskop Selbstbau Wiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

Themenportale  -  0-9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z  -  Kategorien

 

Ernst zu nehmende astronomische Fernrohre sind hochpräzise feinoptische Geräte. Die Oberfläche des Hauptspiegels eines guten Spiegelteleskops darf maximal um ein Achtel einer Wellenlänge des sichtbaren Lichtes von der Idealform abweichen, um den hohen Anforderungen gerecht zu werden. Die Abweichung sollte also deutlich unter 50 Nanometer über die Ganze Fläche betragen! So etwas sollen Amateure mit ihren begrenzten Mitteln selbst herstellen können? Ja, das können sie! Sie bedienen sich dabei ähnlicher Techniken und Messmethoden wie schon die Teleskopbauer Jahrhunderte vor ihnen. Dabei übertreffen ihre Ergebnisse sowohl in der Qualität als auch in den Dimension nicht selten das Ergebnis der industriell für dem Markt der Amateurastronomen gefertigten Konkurrenz bei Weitem.

Die Geschichte des Teleskopbaus durch Amateure ist so alt wie das Teleskop selbst. Auch die ersten Pioniere des Teleskopbaus waren häufig Amateure, die sich die Geräte für ihre astronomischen Beobachtungen selbst bauen mussten. Das spezielle Wissen über die Herstellungsmethoden blieb jedoch über mehr als 300 Jahren einem relativ kleinen Kreis von Experten vorbehalten. Erst eine Artikelserie in der populärwissenschaftlichen Zeitschrift Scientific American, die sich mit verschiedenen Aspekte des Selbstbaus astronomischer Geräte auseinander setzte, brachte dieses Wissen in den 20er und 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts einer größeren Zahl von Amateurastronomen näher. Nachdem Russell W. Porter und Albert Ingalls eine Sammlung dieser Artikel in ihrem dreibändigen Werk "Amateur Telescope Making" herhausgegeben hatten, begann sich zunächst in den Vereinigten Staaten, später weltweit ein Boom des Selbstbaus astronomischer Geräte unter Amateurastronomen auszubreiten.

In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelte John Dobson, eine neuartige Montierung für das klassische Newton Reflektor Teleskop. Die neue Montierung bestand vollständig aus leicht zugänglichen Materialen und war einfach herzustellen. Trotzdem war es mit dieser Montierung möglich, Objekte am Himmel auch bei hohen Vergrößerungen feinfühlig nachzuführen - also ihre durch die Erddrehung hervorgerufene scheinbare Bewegung auszugleichen.

Zunächst verbreitete sich sein besonderes Teleskop, das noch heute unter dem Namen " Dobson" bekannt ist, nur langsam. Mit den Jahren war der Siegeszug dieser Kombination aus einem einfachen aber trotzdem sehr leistungsfähigen Teleskoptyp mit einer ebenso einfachen und leistungsfähigen Montierung nicht mehr aufzuhalten. Seit dem Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts ist die überwältigende Mehrzahl der von Amateuren hergestellten Teleskope vom Typ "Dobson".

Nachdem die Teleskope bis zur Jahrtausendwende kontinuierlich immer größer und größer wurden, ist die Teleskopöffnung im neuen Jahrtausend offenbar bei ca. 0,6m an eine natürliche Obergrenze gestoßen. Größere Spiegel sind schon wegen des erheblichen Gewichts nur noch schwer zu handhaben. Die Szene der Selbstbauer konzentriert sich seit dem zunehmend auf völlig andere Gebiete. Wo seit 150 Jahren der Foucault Test uneingeschränkt herrschte halten jetzt zunehmend auch interferometrische Messmethoden Einzug. Wo 400 Jahren lang hauptsächlich visuell Beobachtet wurde sieht man nun immer häufiger Digitalkameras mit ihren ganz speziellen Anforderungen an die Ausrüstung. Es dürfte interessant werden, welche Richtung die Entwicklung der Selbstbau Teleskope in den folgenden Jahren einschlagen wird.

Persönliche Werkzeuge

Google Translate