Grobschliff

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Der Grobschliff dient in erster Linie dazu, in etwa den endgültigen Kurvenradius in den zunächst meist planen Glasrohling zu schleifen. Dabei kommen verschiedene spezielle Werkzeuge und Materialien zum Einsatz, die an anderer Stelle näher besprochen werden.

Inhaltsverzeichnis

Vorgehensweise

Zur Vorbereitung muss der Spiegel angefast werden, sonst besteht erhebliche Gefahr, dass während des Schleifens die Spiegelkante ausbricht und sogenannte Chips entstehen. Anschließend wird die unten liegende Schleifschale mit Wasser und Schleifmittel versehen, der Spiegel aufgelegt und der Schliff kann beginnen.

Aufbringen von Schleifmittel

Zunächst werden Schleifschale und Spiegel ordentlich befeuchtet. Dieses geschieht gewöhnlich mit Hilfe einer Sprühflasche. Anschließend wird Schleifmittel auf der Oberfläche der Schleifschale verteilt und auch dieses noch einmal mit der Sprühflasche Angefeuchtet. Die Menge an Schleifmittel pro Charge hängt von der verwendeten Körnung ab. Bei der Körnung K60 oder K80, mit der der Schliff gewöhnlich beginnt kommt etwa ein halber bis ein Teelöffel voll zum Einsatz. Das Schleifmittel soll so weit mit Wasser getränkt sein, dass ein matschiger Brei entsteht. Bei zu viel Wasser wird unverbrauchtes Schleifmittel seitlich herausgedrückt und damit vergeudet.


Aufbringen des Schleifmittels


Aufsetzen des Spiegels auf die Schleifschale

Das Aufsetzen des Spiegls auf das Schleif- bzw Polierwerkzeug ist in allen Phasen der Herstellung eines Teleskopspiegels ein äußerst kritischer Moment. Hier muss mit großer Aufmerksamkeit vorgegangen werden. Spiegel und Werkzeug sollen sich nie direkt berühren, sondern es soll sich immer etwas Schleif- bzw. Poliermittel zwischen den Werkstücken befinden. Auch die ersten Striche nach dem Aufsetzen müssen sehr vorsichtig vorgenommen werden. Dabei ist genau darauf zu achten, ob sich möglicherweise ein Fremdkörper (z.B. ein Korn von einem gröberen Schleifmittel) zwischen den Werkstücken befindet. Sollte sich ein solcher Fremdkörper tatsächlich einmal durch ein leicht knirschendes Geräusch bemerkbar machen muss der Spiegel sofort vom Tool genommen und alles gründlich gereinigt werden.


Aufsetzen des Spiegels auf das Schleifwerkzeug.


Strichführung

Zum Aushöhlen des Spiegels wendet man möglichst lange Striche mit möglichst großem seitlichen Überhang an. Der seitliche Überhang ist sehr wichtig, weil die Kante des Werkzeugs auf der Mitte des Spiegels arbeiten soll. Der Spiegel befindet sich dabei oben (Mirror on Top, MOT). Es wird schnell und mit ordentlich Druck geschliffen - der Rohling ist stabiler als man denkt! Man muss jedoch aufpassen, dass der Spiegel nicht überkippt.


Lange Striche mit großem seitlichen Überhang


Wenn das Schleifmittel verbraucht ist (Schleifgeräusch beachten, es muss knirschen!) muss neu beschickt werden. Der alte Schleifbrei wird abgewischt, neues Pulver wird aufgestreut, Wasser wird darüber gesprüht und weiter gehts. Langes "Totquälen" des verbrauchten Carbo bringt nichts.

Weitere Vorgehensweise

Leicht dezentral geschliffener Spiegel während des Grobschliffs
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Leicht dezentral geschliffener Spiegel während des Grobschliffs
Während de Grobschliffs sollte darauf geachtet werden, dass der ausgeschliffene Bereich des Spiegels möglichst zentral auf der Spiegeloberfläche liegt. Dabei muss auch berücksichtigt werden, dass die Oberfläche des Rohlings manchmal nicht ganz genau plan ist. Kleinere Abweichungen wie auf dem Bild können jedoch zu diesem Zeitpunkt noch leicht ausgeglichen werden. Dazu kann die gewünschte Richtung der Korrektur auf der Oberfläche oder dem Rand des Rohlings mit einem wasserfesten Permanent-Marker markiert werden.

Nach Erreichen der gewünschten Vertiefung geht es darum, dieser Vertiefung eine sphärische Form zu geben. Dafür werden die Platten umgedreht und mit Werkzeug oben (Tool on Top=TOT) und 1/3 Strichen mit wechselndem Überhang aneinander angepasst. Die gewünschte sphärische Form der Krümmung bildet sich dabei quasi von selbst. Die Krümmung muss sich nach dem Grobschliff bis zum äußersten Rand fortsetzen (Linealprobe)!

Am Ende des Grobschliffs muss die Fase überprüft werden. Bei Bedarf muss sie nachgezogen werden. Auch am Werkzeug wird jetzt eine Fase angebracht, da sonst durch abbrechende Glasstückchen Kratzer drohen.

Fortschritt des Grobschliffs bewerten

Es gibt zwei grundsätzliche Methoden, herauszufinden, wie weit der Grobschliff fortgeschritten ist. Zum einen kann die Sagitta (auch Pfeiltiefe, Pfeilhöhe)|) gemessen werden, zum anderen kann bei konkaven Flächen gemessen werden, ob die nötige Brennweite schonerreicht wurde.

Berechnung der Pfeilhöhe

Die nötige Tiefe der Aushöhlung in der Mitte eines konkaven Spiegels bezeichnet man als Pfeiltiefe, Sagitta oder auch Pfeilhöhe. Sie läßt sich nach folgender Formel berechnen:

s=R-wurzel(R2-1/4*D2)

Pfeilhöhe messen

Mit Hilfe eines Sphärometers kann die Pfeiltiefe direkt gemessen werden.


Sphärometer

Die einfachste Mehode die Pfeiltiefe zu messen ist ohne Zweifel die Verwendung eines Sphärometers. Mit diesem Gerät ist es zudem möglich zu überprüfen, ob die Kurve auf dem ganzen Spiegel gleichmäßig ausgebildet ist.

Messen mit Bohrern verschiedener Größe

Eine einfache Methode die Pfeiltiefe zu messen ist es, ein gutes Lineal über den Spiegel zu legen und dann zu versuchen verschieden große Bohrer zwischen Lineal und Glas zu bringen. Die Pfeiltiefe ist größer als der Durchmesser des Bohrers, der noch hindurch passt und kleiner als der Durchmessers des Bohrers, der nicht mehr hindurch passt.

Messen mit der Schieblehre

Gute Schieblehren bieten die Möglichkeit die Tiefe einer Bohrung zu messen. Auch bei dieser Methode wird ein gutes Lineal über den Spiegel gelegt. Dann wird mit der Schieblehre der Abstand zwischen Lineal und Spiegel gemessen. Bei dieser Methode muss natürlich anschließend noch die Dicke des Lineals vom Ergebnis abgezogen werden.

Brennweite messen

Taschenlampentest

Man stellt den - z.B. mit der Sprühflasche - befeuchteten Spiegel auf und leuchtet ihn mit einer Taschenlampe (am besten mit abgeschraubten Reflektor) an. Nun sucht man die Reflektion des Strahls. Anschließend bewegt man die Taschenlampe auf und ab. Wenn man sich noch vor dem ROC befindet, dan wandert der Reflex in der selben Richtung, wie man die Taschenlampe bewegt. Befindet man sich schon hinter dem ROC, so wandert der Reflex in der entgegengesetzten Richtung. Nun wandert man in Richtung des ROC und bewegt dabei die Taschenlampe weiter auf und an. Irgendwann erreicht man einen Punkt, an dem man nicht mehr genau entscheiden kann, ob sich der Reflex parallel oder entgegen der Bewegung der Taschenlampe bewegt. Dieses ist (auf wenige cm genau) der Kugelradius!

Projektionstest

Man projeziert mit dem feuchten Spiegel ein Bild der Sonne auf eine Hauswand und misst den Abstand von der Wand bis zu dem Punkt, bei dem der Spiegel das schärfste Bild erzeugt. Das Ergebnis entspricht der Brennwete des Spiegels.

Persönliche Werkzeuge

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