Politur

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Das Polieren dient dazu, die vom Feinschliff übriggebliebenden Löcher (Pits) zu beseitigen. Außerdem soll die Form mehr und mehr einer idealen Sphäre angepasst werden.

Inhaltsverzeichnis

Werkzeug und Materialien

Das Tool wird mit einer eine 3-8 mm dicken Pechhaut versehen. Dieses Pech hat die Aufgabe als Trägermaterial für die Polierkörnchen zu dienen. Als Polierpulver dient feines Ceroxid (CEO). Dieses macht eine schön glatte Oberfläche und arbeitet ca. 4x schneller als das alte Polierrot. Es wird 1 Teil CEO mit 4-6 Teilen Wasser in einem Glas vermischt. Diese Mischung kann durchaus über einige Tage aufbewahrt werden.

Einige Spiegelschleifer schwören im letzten Arbeitsgang immer noch auf das alte Polierrot. Es soll eine noch bessere Oberfläche produzieren. Da es langsamer poliert als Ceroxid soll die Parabel genauer getroffen werden können. Es wurden aber auch schon etliche unzweifelhaft exzellente Spiegel nur mit Ceroxid poliert.

Vorgehensweise

Die Poliermittel/Wasser Mischung wird mit einem Pinsel auf die Pechhaut gestrichen, dann wird abwechselnd MOT und TOT vorwiegend 1/3 bis maximal 1/2 Striche oder kreisende Bewegungen mit ca. 1/3 Überhang poliert. Der seitliche Überhang wechselt ständig (Verhinderung von Zonen). Die Pechhaut muss "saugen", je mehr Widerstand um so effektiver ist die Politur.

Den Fortschritt der Politur kann man mit einer Lupe oder einem umgedrehten Okular beobachten und kann anhand der Tabelle von Stathis Kafalis beurteilt werden:

  • 0. Feine seidenmatte Krateroberfläche. Ende Feinschliff
  • 1. Glühbirnen Reflex deutlich sichtbar, Fläche selbst seidenmatt
  • 2. Erste glänzende Brücken zwischen den Pits
  • 3. Kugelsternhaufen
  • 4. Dichte Milchstraße
  • 5. Mittleres Sternfeld
  • 6. Lockeres Sternfeld
  • 7. Ausgedünntes Sternfeld
  • 8. Vereinzelte Pits
  • 9. Ab und zu Pits noch zu finden
  • 10. Auspoliert.

Erst wenn der Spiegel in allen Zonen auspoliert ist beginnt man an der Form (Sphäre) zu arbeiten.

Strichführung

Pflege der Pechhaut

Vor jedem Poliervorgang sollte man die Pechhaut mit dem Spiegel pressen, damit sich die Form des Spiegels in die Pechhaut drückt und ein enger Kontakt beider Kurven möglich ist.

Kaltpressen

Das Kaltpressen wird bei Raumtemperatur durchgeführt. Man gibt Poliermittel auf Spiegel und Tool um zu verhindern, dass die beiden Flächen zusammen kleben, dann wird der Spiegel vorsichtig "Center over Center" auf das Tool gelegt und mit einem Gewicht beschwert. Gewöhlich läßt man der Pechhaut jetzt 15-30 Minuten Zeit.

Warmpressen

Das Warmpressen wird ähnlich durchgeführt wie das Kaltpressen, nur dass dabei die Pechhaut und z.T. auch der Spiegel angewärmt werden, damit sich die Pechhaut schneller anpassen kann. Da häufiges Warmpressen dazu führt, dass man auch oft die Kanäle nachziehen muss versucht man das Warmpressen auf Situationen zu beschränken, wenn man das Gefühl hat, dass die Pechhaut nicht mehr richtig passt, z.B. auch direkt nach dem Nachschneiden der Kanäle.

Es gibt zwei weit verbreitete Methoden die Pechhaut aufzuheizen. Zum einem kann man sie einfach in heißes Wasser legen, zu anderen kann man sie unter eine sogenannte Ferkellampe, also eine Infrarotlampe legen. Mir persönlich liegt die Heißwassermethode mehr, weil man nicht gefahr läuft, dass sich die Pechhaut überhitzt.

Micro Faceting

Viele Spiegelschleifer schwören darauf beim Heiss- oder Kaltpressen ein Stück Material zwischen Spiegel und Pechhaut zu legen um damit Mikrofacetten auf der Pechhaut herzustellen. Als Material eignet sich z.B. Ein Stück altes Moskitonetz, ein Stück alte Gardiene oder sogar die kleinen Säcke, in denen gewöhnlich Kartoffeln verkauft werden.

Kanäle und Fase schneiden

Kanäle

Die Kanäle haben die Aufgabe beim Pressen überschüssiges Material aufzunehmen. Wenn sie Ihre Aufgabe erfüllen, werden sie bei jedem Pressen etwas zugedrückt. Deshalb muß man sie von Zeit zu Zeit nachschneiden. Es gibt unterschiedliche Methoden dafür. Einige Spiegelschleifer schneiden oder sägen sie tatsächlich in einem Wasserbad hinein. Ich selber schneide sie mit einem Lötkolben hinein (nicht entsetzlich!). Andere Möglichkeiten sind heiße Messer, oder Lineale, die in das angewärmte Pech gedrückt werden. Bei Gipstools sollte man darauf achten, daß man nicht ganz durch die Pechhaut hindurchschneidet, damit das Tool nicht vom Wasser angegriffen werden kann. Einige Quellen legen nahe, dass die Kanäle in einem Abstand von weniger als einem Zentimeter verlaufen sollen (1/4"). Ich selbst benutze einen Abstand von etwa 2-3 cm. Um Zonenbildung zu vermeiden sollten die Kanäle nicht zu regelmäßig angeordnet sein.

Fase

Beim Pressen wird auch Material nach außen gedrückt. Da die Kante der Pechhaut nicht überstehen sollte, weil dann nicht mehr die gesamte Pechhaut mit dem Spiegel gepresst werden kann, wird auch sie gelegentlich beschnitten.

Bürsten der Pechaut

Unter dem Bürsten der Pechhaut versteht man auch das Säubern der Pechhaut nach der Benutzung mit der Nagelbürste. Hier ist jedoch das Bürsten einer stark mit Poliermittel zugesetzten Pechhaut mit Hilfe einer Drahtbürste gemeint. Viele Spiegelschleifer gießen eine neue Pechhaut, wenn die alte zu hart geworden ist. Es ist aber meist möglich die alte Pechhaut zu retten, indem man sie heftig mit einer Drahtbürste bearbeitet. Wie das Warmpressen ist dies ein Vorgang, der nicht sehr häufig angewendet wird.

Härte der Pechhaut testen

Die Pechhaut darf weder zu hart noch zu weich sein. Wenn sie zu weich ist wird sie sich in den Rand fressen, wenn sie zu hart ist wird sie sich nicht gut genug an die Form des Spiegels anpassen. Alte oder schlecht gelagerte Pechhäute werden mit der Zeit härter und neigen dann dazu "Sleeks" also kleine Kratzer auf dem Spiegel zu hinterlassen.

Die normale Methode um die Härte der Pechhaut zu überprüfen ist es 10 Sekunden lang ordentlich mit einem Fingernagel drauf zu drücken und dann den Abdruck auf der Pechhaut zu beurteilen. Diese Methode ist natürlich sehr subjektiv, deshalb bauen sich manche Amateure eine Gerät das diesen Test mit definiertem Druck ausführt. Aus der Einsinktiefe und der aktuellen Temperatur kann dan anhand einer Tabelle die tatsächliche Härte der Pechhaut ermittelt werden.


Weblinks

Siehe auch

Persönliche Werkzeuge

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