Gestern las ich ganz zufällig den Artikel Schraubenzieher in der Wikipedia und musste unweigerlich schmunzelnd an meine Zeit in der Berufsschule denken. Dort hatte man mir mühsam eingebläut, dass man Schrauben nicht zieht, sondern dreht und dass das entsprechende Werkzeug deshalb gefälligst nicht als Schraubenzieher sondern als Schraubendreher bezeichnet werden muss. Irgendwie kam mir das schon damals etwas spanisch vor, weil Ein Zitronenfalter ja nun mal auch keine Zitronen… Und überhaupt, warum soll man ein Gerät, mit dem man Schrauben anziehen kann nicht Schraubenzieher nennen dürfen? Naja, damals hatte ich offenbar doch keine Lust diese Diskussion bis zum bitteren Ende durchzufechten. Schade eigentlich, denn der Artikel in der Wikipedia nennt nun endlich Roß und Reiter:
Zu Anfang hieß das entsprechende Werkzeug Schraubenzieher. Dieser Begriff hatte das Einziehen bzw. Festziehen einer Holzschraube im Holz zum Ursprung. (Eisenschrauben kamen erst mit der industriellen Revolution in größerem Maße auf.)
Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gibt es zunehmend Versuche von Sprachpuristen, den ursprünglichen Begriff durch den “richtigen” Begriff Schraubendreher zu ersetzen. Ursache dafür könnte eine Bedeutungsverengung von “ziehen” auf “etwas herausziehen” in der Umgangssprache sein, so dass der ursprüngliche Begriff fälschlicherweise mit dem Herausziehen einer Schraube assoziiert wird, was jedoch ursprünglich nie gemeint war. Anziehen bedeutet Drehmoment ausüben. Der Begriff Anzugsmoment ist bis heute erheblich weiter verbreitet als Andrehmoment.
Der Begriff Schraubendreher hat sich bis jetzt daher nicht richtig durchsetzen können, so dass die beiden Bezeichnungen derzeit weitestgehend synonym verwendet werden.
Wie recht sie doch haben, die Herren Autoren! Das Wort Schraubendreher ist damit aus meinem aktiven Wortschatz gestrichen! Und überhaupt, was ist eigentlich ein Imbusschlüssel?
